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 Die Einladung

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Donald Duck






Anmeldungsdatum: 17.07.2010
Beiträge: 12



BeitragVerfasst am: 30.07.2010, 16:38    Die Einladung Antworten mit ZitatNach oben

Im Ozean lag eine Insel, auf der lebten einmal viele Völker. Jedes Volk trug Kleider einer bestimmten Farbe. Ein Volk trug schwarze Kleider, ein anderes rote, ein weiteres gelbe, und wieder ein anderes weiße Gewänder. So unterschieden sie sich voneinander.

Weil es ihnen allen gut ging und sie alle genug zum Leben hatten, wurde ihre Zahl mit der Zeit immer größer. Das hatte zur Folge, dass sie mehr Nahrung von der Insel benötigten, mehr Wasser, mehr Feuerholz. Da die Insel aber nicht größer wurde, und auch nicht mehr hergab als sonst, wurden die benötigten Dinge sehr knapp. Das Wasser reichte noch für alle, aber Feuerholz und Nahrung wurden immer knapper, und bald war der Wald fast gänzlich abgeholzt. So gerieten die Menschen in Sorge, und die Sorge wuchs bald zur Angst.

Jeder hatte Angst, bald nicht mehr genug zum leben zu haben, und vereinzelt gab es deshalb Unruhen und Kriege zwischen den Völkern. Zuerst stahl man vom Nachbarvolk dringend benötigte Dinge. Das weiße Volk nahm heimlich vom roten etwas Feuerholz, und das rote Volk holte sich das Holz mit Gewalt zurück. Dies war der erste Krieg auf der sonst friedlichen Insel, und bald darauf kam es zwischen den anderen Völkern zu ähnlichen Machtkämpfen.

Als die Seevögel das sahen, da sagten sie zueinander:
Haben denn die Menschenkinder keine andere Wahl, als sich gegenseitig umzubringen, weil sie nicht genug zu essen haben? Kommt, wir wollen uns auf die Suche machen nach einem größeren Land, und wenn wir eins finden, dann sagen wir den Menschen, wo es ist.
Und so flogen sie von der Insel, jeder in eine andere Richtung, auf der Suche nach neuem Land. Einige Zeit später, als sich die Seevögel wieder auf der Insel trafen, fragten sie einander:
Hat jemand von euch Land gefunden?
Und es stellte sich heraus, dass es weit im Westen ein großes Land gibt.

Die Möwe, die das Land gefunden hatte, berichtete:
Das Land ist groß, und ich habe hinter dem Ufer keine Grenzen entdecken können. Es ist herrlich, es gibt Flüsse, Seen, Berge, und alle möglichen Arten von Tieren und grünen Pflanzen. Dort lebt auch ein Volk, aber es ist sehr klein und friedlich. Ein Herrscher regiert über das ganze Land, er rief mich herbei und ich flog zu ihm. Er sagte zu mir:
Wo kommst du her, ich habe dich hier noch nie gesehen?
Da sagte ich:
Von einer Insel, weit im Osten komme ich, weil ich neues Land suche. Auf der Insel leben viele Menschen, und sie sind so zahlreich geworden, dass sie alle auf der Insel keinen Platz mehr haben. Sie sind in Not, weil die Insel nicht mehr genügend Nahrung für alle gibt, und so kämpfen sie gegeneinander und nehmen sich gegenseitig die Dinge weg, die sie zum Leben benötigen.
Der Herrscher antwortete mir:
Nun hast du zu meinem Reich gefunden. Ich möchte den Menschen gerne helfen. Flieg zu ihnen zurück und sage ihnen, ich lade sie herzlich ein. Sie sollen wissen: Mein Volk freut sich mit mir, wenn sie den weiten Weg über das Meer zu mir finden, und wir werden sie freundlich und liebevoll begrüßen. Hier gibt es alles, was sie brauchen. Aber nenne ihnen auch eine Bedingung: Wer von ihnen jemanden verletzt oder umbringt und zu Diebstahl oder Krieg aufruft, den werde ich nicht auf mein Land lassen. Jeder soll den anderen lieben und ihn so behandeln, wie er selbst behandelt werden will. Wenn sie hier leben, dann sollen sie mich lieben, denn ich schenke ihnen neues Leben, und sie sollen das Land und alles Leben auf ihm lieben. Sie dürfen es nicht zerstören. Nur dann werde ich sie zu mir kommen lassen.


So berichtete die Möwe den anderen, was sie erlebt hatte. Die Seevögel flogen daraufhin über die ganze Insel und riefen den Völkern diese Botschaft zu. Alle Menschen freuten sich darüber, und sie hörten auf, Krieg gegeneinander zu führen, denn sie sagten sich: Jetzt hat unsere ganze Not ein Ende gefunden. Und sie kamen zusammen, die Roten, die Schwarzen, die Gelben, die Weißen, und alle anderen. Sie setzten sich zusammen und sagten zueinander:
Kommt, wir nehmen alles, was wir jetzt noch von der Insel kriegen können, und bauen damit ein Schiff. Es muss so groß sein, dass wir alle Platz darauf finden. Lasst uns keine Zeit verlieren und sofort anfangen!

Und sie fingen an, an dem großen Schiff zu bauen, alle miteinander. Es war viel Arbeit, und jeder hatte zu tun: Die einen sägten das Holz, die anderen webten an den Segeln, wieder andere kümmerten sich um die großen Nahrungsvorräte, die sie für unterwegs benötigen würden. Alle arbeiteten bunt zusammen, sodass es nicht mehr viele Völker waren, sondern ein einziges großes. Und so sagten sie sich:
Was laufen wir in unterschiedlichen Farben herum? Wir sind doch wie ein Volk und arbeiten alle an einem gemeinsamen Ziel! Lasst uns alle blaue Gewänder tragen, denn diese Farbe ist auf der Insel bis jetzt noch nicht vertreten.
Und sie kleideten sich alle blau, zum Zeichen ihrer Eintracht, ihres gemeinsamen Strebens.

Doch es gab Ausnahmen unter den Menschen. In jedem Volk gab es Leute, die damit nicht einverstanden waren. Sie sagten:
Warum sollen wir mit allen zusammenarbeiten? Erst bekämpfen wir uns, und nun sollen wir so mir nichts, dir nichts sagen, alles sei vergeben und vergessen? Diejenigen, die unsere Brüder umgebracht haben, sollen mit uns zu einem großen Volk werden? Niemals! Der Herrscher will Frieden, haben die Seevögel gesagt. Also werden wir uns nicht mit Dieben und Mördern zusammentun! Wir haben den Krieg nicht gewollt, und erst recht nicht damit begonnen. Wir sind seine wahren Untertanen!
So redeten einige der gelben, der weißen, der roten und anderer Völker zu ihren Stammesgenossen. Und es gab tatsächlich welche, die sich ihrer Ansicht anschlossen. Sie ließen ihre Gewänder nicht blau färben und sie schlossen sich den anderen beim Schiffsbau nicht an. Jedes Volk hatte solche Menschen unter sich, und diese bauten sich ihre eigenen Schiffe.

Aber da es nur wenige waren, die sich nicht anschließen wollten, brauchten sie keine großen Schiffe zu bauen. Für die gelbe Gruppe reichte ein Boot für 30 Personen, die Roten waren nur 10, die Weißen 27, und die anderen Gruppen waren auch nicht größer. So bauten sie sich alle, die für sich bleiben wollten, kleine Boote, die viel schneller fertig waren als das große Schiff für das vereinte Volk. Denn sie brauchten ja nicht so lange an ihren Booten bauen, weil sie ja um einiges kleiner waren als das riesige Schiff.

Als die blauen Menschen das mitbekamen, da gingen sie zu allen kleinen Gruppen und sagten zu ihnen:
Warum schließt ihr euch uns denn nicht an? Auf unserem Schiff ist für alle Platz, auch für euch!
Da sprach der Führer der gelben Gruppe:
Was denkt ihr euch? Glaubt bloß nicht, dass ich mit euch Mördern und Dieben zusammen auf einem Schiff fahre. Bleibt besser hier, der Herrscher des gelobten Landes wird euch sowieso zurückweisen, denn er lässt einzig und allein friedliche und liebevolle Menschen zu sich. Seine wahren Untertanen seid nicht ihr, sondern WIR, der gelbe Stamm!
Und auch die anderen Gruppen gaben ähnliche Antworten. Die weißen, die roten, die schwarzen, die sich der großen Gemeinschaft nicht anschließen wollten, sie alle hielten ihren Stamm für den auserwählten.

Ein Mann der blauen Gemeinschaft aber, der sehr weise war, sagte zu den kleinen Gruppen:
Seht uns doch an! Wer von uns ist noch ein Dieb oder ein Mörder? Wer von uns stiftet Streit und Zwietracht? Wer von uns redet auch nur ein böses Wort über einen anderen? Wir alle arbeiten friedlich und in Freundschaft zusammen. Ihr aber beschimpft uns immernoch als unfriedliche und uneinsichtige Menschen. Macht die Augen auf! Wir wollen uns trotz eurer Angriffe nicht mit euch streiten und reichen euch unsere Hand. Ihr aber lehnt die Freundschaft zu uns ab, weil ihr denkt, ihr wärt bessere Menschen, die der Herr als einzige zu sich lässt. Ihr stiftet hochmütig Unfrieden, und das ist es nicht, was dem Herrn des Landes gefällt.

Aber sie haben nicht auf ihn gehört, sondern sind mit ihren Booten am nächsten Tag in See gestochen. Sie fuhren mit vollen Segeln, so schnell sie konnten, denn jeder wollte den anderen zuvorkommen und zuerst das Land betreten, um den Herrscher vor den anderen zu warnen. Alle waren guten Mutes, sie waren wie besessen, und sie hatten guten Wind, der sie schnell über das Meer trug. Der Wind wurde stärker und stärker, und trieb die Boote immer schneller über den Ozean. Doch mit dem Wind wurden auch die Wellen stärker, und die Leute hatten alle Hände voll damit zu tun, das Wasser aus den Booten zu schöpfen. Einige wurden Seekrank. Der Wind wurde noch stärker, die steife Brise wurde zum Sturm, und die Wellen brachen in die Schiffe hinein, sodass die Menschen in Seenot gerieten.

Das Boot der weißen ging zuerst zu Bruch, und sank, während die Menschen hilflos in Todesangst im Wasser trieben. Da kam das Boot der Gelben in ihre Nähe, und sie schrien in ihrer großen Furcht um Hilfe. Doch die Gelben hielten sich, wie alle von ihnen, für die besseren Menschen und wollten daher die Weißen nicht aufnehmen und ließen sie in den Wellen ertrinken. Und auch sie waren in Seenot, wie alle anderen auch. Schließlich ereilte alle das gleiche Schicksal. Im Orkan gingen alle Schiffe zu Bruch, und jeder von ihnen ertrank in den Fluten.

Als das vereinte Volk ein Jahr später auf dem großen Schiff in Richtung Westen fuhr, hatten sie ebenso mit einem Orkan zu kämpfen. Aber in Seenot gerieten sie nicht, denn das Schiff war so groß und so gut gebaut, dass ihm die See keinen ernsthaften Schaden zufügte. Schließlich kam am Horizont Land in Sicht.

Als sie an Land gingen, da wurden sie vom Herrscher freundlich empfangen. Er sagte zu ihnen:
Ich bin glücklich, weil ihr es bis zu mir geschafft habt. Aber es fehlen doch noch Menschen unter euch. Die Seevögel berichteten mir, dass nicht alle Menschen an Bord dieses Schiffes sind. Warum sind nicht alle da?
Da sagten sie ihm:
Die anderen wollten ohne uns zu dir kommen, denn sie konnten sich nicht mit uns aussöhnen. Sie fuhren bereits letztes Jahr mit ihren eigenen kleinen Booten los. Sind sie denn nicht angekommen?
Der Herrscher antwortete ihnen:
Sie sind nicht angekommen. Sie sind also auf dem weiten Meer verunglückt, weil ihre Boote dem Wind und den Wellen nicht gewachsen waren.

Und er ging vom Strand weg und weinte, weil es ihm in seinem Herzen weh tat.


Zuletzt bearbeitet von Donald Duck am 01.08.2010, 15:07, insgesamt einmal bearbeitet

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Ludmila




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BeitragVerfasst am: 31.07.2010, 17:41    (Kein Titel) Antworten mit ZitatNach oben

Eine wunderbare Geschichte zum Nachdenken.
Da kann man sehen, wie wichtig es ist zusammenzuhalten, wie wichtig es ist vergeben zu können und was geschieht, wenn man versucht sich Vorteile zu beschaffen indem man andere benachteiligt.

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kleinesmeer






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BeitragVerfasst am: 31.07.2010, 21:59    (Kein Titel) Antworten mit ZitatNach oben

es wird auch deutlich, dass wir alle - egal, welcher christlichen kirche wir angehören - an einem strang ziehen sollten.....und es auch können, wenn wir das EINE ziel - jesus christus- haben...
schöne geschichte, donald

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Donald Duck






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BeitragVerfasst am: 01.08.2010, 15:04    (Kein Titel) Antworten mit ZitatNach oben

Hallo Ludmilla und Kleinesmeer,

danke für eure Antworten. Ich finde es schön, dass ihr diese Dinge herausgelesen habt.

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Schatzkiste




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BeitragVerfasst am: 14.08.2010, 11:44    (Kein Titel) Antworten mit ZitatNach oben

Hallo zusammen!

Auch ich schliesse mich Euch an. Thumbup Laughing Ja, das ist eine interessante Geschichte! Für eine geistliche Einheit ist Vergebung und Versöhnung notwendig. Nur durch einen neuen Start können sie gemeinsam das göttliche Ziel erreichen.

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Ludmila




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BeitragVerfasst am: 14.08.2010, 20:05    (Kein Titel) Antworten mit ZitatNach oben

Hallo Schatzkiste,

schön dich wiedermal hier zu sehen!

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Schatzkiste




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BeitragVerfasst am: 14.08.2010, 22:00    (Kein Titel) Antworten mit ZitatNach oben

Privijet Ludmila!

Ja, ich freue mich von dir zu lesen. Wie geht es dir?

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